In der britischen Komödie „Wicked Little Letters“ von Regisseurin Thea Sharrock und Drehbuchautor Jonny Sweet wird das Publikum mit der Enthüllung überrascht, dass nicht nur Männer vulgäre Ausdrücke verwenden können. Die Handlung spielt in dem verschlafenen Küstenstädtchen Littlehampton an der Südküste Englands in der frühen Zwischenkriegszeit. Die mäuschenhafte, aber prahlerisch fromme Edith, gespielt von Olivia Colman, erhält einen anonymen, giftigen Brief, der ihre perlenklammernden Eltern (Timothy Spall und Gemma Jones) wütend macht. Und das ist nicht der erste Brief dieser Art.
Der Inhalt der anonymen Briefe
Der Brief enthält reichlich sexuell suggestive Verbalattacken, die alle in einem merkwürdig exzentrischen Stil verfasst sind. Die Frage ist, wer könnte diese übelriechenden Briefe verschicken und Edith, die ewige Junggesellin, emotional so belasten? Ihr Leben ist, wie wir erfahren, von einer endlosen Reihe von Rückschlägen und Missgeschicken geprägt. Der Hauptverdächtige ist die trinkfeste, irische Nachbarin Rose Goodling, gespielt von Jesse Buckley. Sie wäre ein leichtes Ziel für die Anschuldigungen, bis der wahre Täter auftaucht.
Die filmische Umsetzung
„Wicked Little Letters“ ist das filmische Äquivalent eines gemütlichen Krimis in der Literatur: Es hält sich an eine bewährte Struktur des „Wer hat’s getan?“, teilt die Charaktere in offensichtliche Gute und Böse auf und spielt die Handlung mit minimaler Überraschung und Innovation ab. Als Höhepunkt übernimmt Anjana Vasans Figur, die Polizistin Gladys Moss, den Fall, obwohl die Männer in ihrer Wache glauben, dass der Fall über ihrem Lohnniveau liegt. Abgesehen vom Fluchen ist alles äußerst nett.
Die Charaktere und ihr Potenzial
Was den Film bedauerlich macht, ist, dass der federleichte komische Ton jegliche tiefere Einsicht in das, was auf dem Papier eine Reihe von potenziell faszinierenden und psychologisch tiefgründigen Charakteren sind, zu verhindern scheint. Jeder Charakter bekommt seinen einfachen Dämon zum Besiegen, und der Film geht nicht weiter, um Dinge weiter zu öffnen und einige köstliche Mehrdeutigkeiten aufzugreifen, die zum Pflücken bereit sind. Besonders Edith ist bedauerlicherweise unterentwickelt.
Humor und Kritik
Humor ist bekanntlich eine rein subjektive Angelegenheit, aber für diesen Betrachter gibt es einen ernsthaften Mangel an tiefen, resonanten Lachern. Der kindisch-vulgäre Humor wird sehr schnell müde, und erfahrene Komiker wie Colman und Vasan bekommen einfach nicht das Material, mit dem sie arbeiten könnten. Der dritte Akt des Films versucht, dieses Stück faszinierender historischer Trümmer in den breiteren Kontext der inhärent misogynen Strukturen der britischen Gesellschaft zu stellen, aber es ist zu wenig zu spät.
Fazit
Unterm Strich bleibt „Wicked Little Letters“ eine britische Komödie, die trotz ihres Potenzials, tiefer in die Charaktere einzutauchen und gesellschaftskritische Themen anzusprechen, leider oberflächlich bleibt. Die humoristischen Elemente sind eher flach und werden schnell eintönig, während die Charakterentwicklung zu kurz kommt. Trotz der Beteiligung talentierter Schauspieler wie Olivia Colman und Anjana Vasan bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Projekte von Regisseurin Thea Sharrock und Drehbuchautor Jonny Sweet mehr Tiefgang und Innovation bieten werden.
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