Die Faszination Tokios: Wim Wenders‘ filmische Reise

2. März 2024 0 By chrissi
Die Faszination Tokios: Wim Wenders‘ filmische Reise
Im Jahr 1985 begann Wim Wenders mit der Produktion seiner Dokumentation „Tokyo Ga“. Dieses Projekt entstand aufgrund einer Produktionsverzögerung seines damals bevorstehenden Spielfilms „Paris, Texas“. Wenders äußerte den Wunsch, die einzigartigen Pastelltöne der Tokioter Landschaft einzufangen. Als wahrer Ästhetikliebhaber bemühte er sich darum, die richtigen Kameras und Objektive für diese spezielle Aufgabe zu haben. Der Film dokumentiert, wie er sich von der lakonischen, präzisen Arbeit des verstorbenen, sehr großen Filmemachers Yasujiro Ozu inspirieren ließ. Das Streben nach dem perfekten Bild Es ist bemerkenswert, wie Wenders in seinem Streben, die Schönheit Tokios einzufangen, auf die Arbeit von Ozu zurückgreift. Ozu, ein Meister der filmischen Komposition, war bekannt für seine präzisen und minimalistischen Einstellungen. Seine Filme zeichneten sich durch eine einzigartige Ästhetik aus, die Wenders in seine eigene filmische Arbeit integrieren wollte. Die Faszination für Ozus Arbeit zeigt sich nicht nur in der Dokumentation „Tokyo Ga“, sondern zieht sich auch durch Wenders‘ gesamtes Schaffen. Die Rolle der Ausrüstung Die Auswahl der richtigen Ausrüstung spielt eine wesentliche Rolle in Wenders‘ Bemühungen, die Schönheit Tokios einzufangen. Der Filmemacher legt großen Wert auf die Wahl der richtigen Kamera und Objektive, um die einzigartigen Farbtöne und Texturen der Stadt bestmöglich darzustellen. Dieser detailorientierte Ansatz ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit und spiegelt seine tiefe Wertschätzung für die visuelle Kunst wider.

Perfekte Tage: Eine filmische Reflexion über das Streben nach Glück

In diesem Kontext spielt Wenders‘ neuer, für den Oscar nominierte Spielfilm „Perfect Days“ eine Rolle. Der Film ist eine nachdenkliche Untersuchung von Gesellschaft und Kultur, dargestellt durch die Linse eines gelassenen öffentlichen Toilettenreinigers. Ähnlich wie der ironisch betitelte Lou Reed-Song, mit dem er (fast) seinen Namen teilt, handelt der Film vom Glück als einer schwer fassbaren Idealvorstellung, die untrennbar mit Traurigkeit, Verlust, Bedauern und Schmerz verbunden ist, aber dennoch etwas ist, das es unbedingt zu erstreben gilt. Die Wertschätzung des Alltäglichen Wie in vielen seiner Filme ist auch „Perfect Days“ geprägt von Wenders‘ eigenen persönlichen, manchmal faszinierenden und esoterischen Leidenschaften. Es geht darum, nicht nur zu schätzen, sondern uns in den alltäglichen Kleinigkeiten um uns herum zu verlieren. Wenders‘ Kamera verleiht den kleinen Dingen, die wir für selbstverständlich halten – einschließlich dem Besuch der Toilette – ein Gefühl des Wunderbaren. Der Einfluss von Reisen auf Wenders‘ Arbeit Wenders‘ weltweite Reisen sind in den Filmen, die er gedreht hat, ausführlich dokumentiert. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass seine Produktionsfirma, die 1976 gegründet wurde und immer noch aktiv ist, den bezeichnenden Namen „Road Movies“ trägt. Obwohl er eine tiefe Faszination für Orte wie Berlin oder den amerikanischen Süden hegt, verleiht seine filmische Obsession mit Ozu Tokio eine bestimmte emotionale Bedeutung in seinem Werk.

Die kulturelle Vielfalt Japans durch die Linse von Wim Wenders

In „Tokyo Ga“ nähert sich Wenders seinem Film mit einer referenziellen Faszination für das Land und seine Menschen. Wie alle guten Dokumentationen ist es eine liebenswert abschweifende Chronik des Forschungsprozesses und nicht die Zusammenfassung einer vorher festgelegten These. Es gibt einen leichten anthropologischen Einschlag darin, wie der Filmemacher die Dinge herausarbeiten möchte, die die japanische Kultur einzigartig machen, wie ihre geschäftigen Pachinko-Spielhallen, ihre Liebe zu Wachslebensmittelmodellen oder ihre Obsession, modernste Technologie in die banalsten häuslichen Aufgaben zu bringen. Die Veränderung der Perspektive Aufgrund von „Perfect Days“ lässt sich feststellen, dass Wenders mittlerweile ein klareres Verständnis für die Gegebenheiten des Landes hat. Seine Darstellung der Landschaft und seine Betonung bestimmter Details ist nun etwas gedämpfter und fokussierter. Er ist nicht länger ein Fremder in einem fremden Land, ein Cine-Tourist, der eine überwältigende Flut von sinnlichen Eindrücken aufsaugt und verarbeitet. Dies ist die andere Seite von Tokio, die die Kameras (sicherlich die in westlichen Händen) viel seltener als üblich zeigen. Die Entwicklung von Wim Wenders Es ist möglich, die Entwicklung zwischen dem staunenden Wim von „Tokyo Ga“ und dem zurückhaltenderen Wim von „Perfect Days“ nachzuzeichnen. Tokio war eine von vielen Stationen in seiner weltumspannenden Science-Fiction-Torheit „Bis ans Ende der Welt“ aus dem Jahr 1991. Für ein relativ kurzes 15-minütiges Segment (Teil der epischen fünfstündigen Laufzeit des Films) inszeniert er eine Screwball-Schießerei in einem der berühmten Kapselhotels der Stadt. Wie bei „Tokyo Ga“ wählt er diesen bestimmten Ort, an dem cholerische Angestellte versuchen zu schlafen, als Beispiel für eine der exzentrischeren Innovationen der Stadt, und es scheint, als ob der Regisseur immer noch in seiner exotisierenden Touristenrolle gefangen ist.

Die Reise nach Onomichi: Eine Hommage an Yasujiro Ozu

Das wahre Sprungbrett zu „Perfect Days“ ist jedoch Wenders‘ Fotografieausstellung „Journey to Onomichi“ aus dem Jahr 2009, in der er seinem Lieblingsfilm aller Zeiten, Ozus „Tokyo Story“, direkt Tribut zollt. Die Ausstellung und das begleitende Buch dokumentieren seinen Besuch in der verschlafenen Küstenstadt, in der der Großteil von „Tokyo Story“ spielt. Während es möglich ist, die Architektur der 1950er Jahre in den Bildern zu sehen, muss man sie durch einen Prozess der Modernisierung und Industrialisierung betrachten. Genau wie Ozu eine Geschichte von bittersüßen Generationenkonflikten und der Melancholie des Zeitablaufs erzählte, zeigt Wenders in „Perfect Days“ eine Welt – und soziale Einstellungen – aus vergangenen Zeiten, die gerade unter der glänzenden Oberfläche aufblubbern.

Fazit

Wim Wenders‘ filmische Reise durch Tokio und seine tiefgreifende Wertschätzung für die japanische Kultur und Ästhetik sind ein faszinierendes Studium der filmischen Kunst und des interkulturellen Verständnisses. Von der eindrucksvollen Dokumentation „Tokyo Ga“ bis hin zum introspektiven Spielfilm „Perfect Days“ bietet Wenders‘ Werk einen einzigartigen Einblick in die Schönheit und Komplexität Tokios und der japanischen Kultur. Seine Filme sind nicht nur eine Hommage an die Filmkunst von Yasujiro Ozu, sondern auch ein Zeugnis für den Wert der kulturellen Vielfalt und des menschlichen Strebens nach Glück und Verständnis.

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