Die makellose Darstellung des Ordenslebens: Ein Blick auf den Film „Immaculate“

24. März 2024 0 By chrissi
Die makellose Darstellung des Ordenslebens: Ein Blick auf den Film „Immaculate“
Als jemand, der 14 Jahre auf einer katholischen Schule verbracht hat, mag es manchmal so erscheinen, als bekämen Nonnen einen schlechten Ruf. Die irischen Schwestern, die gelegentlich auftauchten, um uns Hymnen beizubringen, waren durchweg liebenswürdig und gütig. Sie waren ganz anders als das bösartige Kloster in Rivettes „Die Nonne“ oder die unterdrückte Gemeinschaft der Dienerinnen Mariens in „Black Narcissus“. Dennoch ist die Faszination für verdorbene Christus-Braut, die das gesamte Genre der Nonnensploitation antreibt, durchaus verständlich – sie ist etwas prickelnder als „The Sound of Music“, und es ist nicht so, als würde es der katholischen Kirche an Skandalen in ihren Kreisen mangeln.

Der Film „Immaculate“: Ein neuer Blick auf das Klosterleben

Der Horrorfilm „Immaculate“ ist die neueste Produktion, die den in der organisierten Religion eingebetteten Reinheitskult ins Visier nimmt. Es handelt sich dabei um die zweite Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur Michael Mohan und der Schauspielerin Sydney Sweeney nach „The Voyeurs“, einem erotischen Thriller über ein Paar, das damit beginnt, seine Nachbarn auszuspionieren. Dieses Mal jedoch basiert der Film auf einem Drehbuch von Andrew Lobel, seinem ersten Langfilm. Mohan und Sweeney bilden ein fesselndes Team (Sweeney produzierte auch den Film und kaufte die Rechte am Drehbuch, nachdem sie 2014 zum ersten Mal dafür vorgesprochen hatte), aber das Drehbuch selbst ist recht schwach, mit generischer Dialogführung und einer abgeleiteten Handlung, die stark von „Rosemary’s Baby“ abkupfert.

Sydney Sweeney in der Rolle der Schwester Cecilia

Sweeney ist charmant als Schwester Cecilia, eine gutmütige Amerikanerin, die eine Einladung annimmt, einem italienischen Kloster beizutreten, nachdem ihre eigene Gemeinde wegen sinkender Besucherzahlen schließt. Trotzdem wirkt die Figur eher wie ein konventionelles Final Girl als etwas Neues. Nachdem sie als Kind einen Unfall überlebt hat, bei dem sie durch das Eis eines gefrorenen Sees brach, glaubt Cecilia, dass Gott einen Plan für sie hat. Als sie auf mysteriöse Weise schwanger wird, obwohl sie Jungfrau ist, sind Vater Sal Tedeschi (Álvaro Morte) und Kardinal Franco Merola (Giorgio Colangeli) schnell dabei, ihren Zustand als die zweite Ankunft Christi zu bezeichnen. Cecilia und ihre einzige Verbündete im Kloster, die rebellische Gwen (Benedetta Porcaroli), sind skeptisch, besonders als das Ausmaß der Eifersucht der gemeinen Nonne Schwester Isabelle (Giulia Heathfield Di Renzi) offenbart wird.

Ein langsamer Start und ein Mangel an Originalität

Trotz einer kurzen Laufzeit von 90 Minuten kommt „Immaculate“ nur langsam in Gang und wenn der zentrale Konflikt offenbart wird, mangelt es ihm schmerzlich an Originalität, was auch Sweeneys äußerst engagiertes Kreischen nicht kaschieren kann. Obwohl es nur so viel neues Leben gibt, das man in jahrhundertealte religiöse Ikonographie einhauchen kann, wirkt „Immaculate“ dennoch enttäuschend, besonders wenn man bedenkt, dass es nur wenige Jahre nach Paul Verhoevens frechem „Benedetta“ kommt, der ähnliches Terrain auf gewagtere Weise abdeckt. Trotz der besten Bemühungen des Kameramanns Elisha Christian, eine eindrucksvolle visuelle Identität zu schaffen, bringt der Film letztlich wenig Neues auf den gut ausgetretenen kinematografischen Boden, selbst in seinem überdrehten Finale.

Verpasste Chancen und verschenktes Potential

Es ist schade, dass „Immaculate“ so enttäuschend ist, denn Sweeney ist ein sympathisches Gesicht und bringt wirklich Bedeutung in den Begriff ‚Scream Queen‘, aber nach so vielen Jahrzehnten des religiös basierten Horrors könnten wir viel besser machen. Es ist bedauerlich, dass „Immaculate“ einige interessante Aspekte – die Besessenheit von Reinheit in der katholischen Kirche, die Idee eines Klosters, das speziell für ältere und kranke Nonnen sorgt – aufstellt, diese aber einer klischeehafteren Idee weichen, die nicht genug entwickelt oder auf die Spitze getrieben wird, um neuartig zu sein.

Fazit

Im Rückblick ist „Immaculate“ ein Film, der mit einer starken Schauspielerin und faszinierenden Themen viel Potenzial hatte, das jedoch durch ein schwaches Drehbuch und mangelnde Originalität verschenkt wurde. Der Film bietet einen interessanten Einblick in das Leben im Kloster, bleibt aber letztendlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Filme das Genre der Nonnensploitation weiter vorantreiben und das volle Potenzial dieses faszinierenden und oft missverstandenen Lebensstils ausschöpfen.

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